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Panorama polistopadové české literatury

Literární pozvánky

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Stunde der Stille

Autor

Ivan KLÍMA

Společenský román s filozofickými a etickými aspekty, vypovídající o deziluzi a osamocení člověka poválečné doby. Více ve Slovníku české literatury po roce 1945. Poprvé vyšla kniha v Československém spisovateli v roce 1963. Německá anotace včetně ohlasů v tisku na stránkách nakl. Transit. Překlad Klímova románu se v červnu 2012 ocitá na 6. místě mezi deseti knihami, které na třicet literárních kritiků doporučuje v každém měsíci na rozhlasové stanici SWR, kompletní žebříček. Diskuse některých z kritiků o knize zde
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Jazyk: Němčina

Název: Stunde der Stille

Místo: Berlin, Germany

Nakladatelství: Transit

Rok: 2012

Počet stran: 253

Překladatel: Maria Hammerich-Maier

Žánr: Próza

Přehled vydání:

2012, Transit, Berlin, Germany
Stunde der Stille

Ukázka:

Über dem Wasser schwebte eine dünne, kalte Dunstschicht. Die Männer hatten die Hosenbeine hochgekrempelt, eiskalt perlten die Tropfen an ihren Waden hinab, sie konnten sie aber nicht abwischen. Sie zogen mit beiden Händen am Netz. Sie verfingen sich im überfluteten Gestrüpp, stolperten über versteckte Löcher, zitterten vor Kälte und fluchten. Molnár ging voraus. Er war der Flusswächter, er bewachte also den Fluss und war für das Stück Damm bis zum Wald zuständig. Er notierte die Wasserstände und stellte an den Tagen, an denen der Fluss und der Kanal so wie jetzt über die Ufer traten und die Fische im weiten Wiesenland weideten, die Richtung ihrer Irrwege fest, damit sie wieder mit dem Netz eingefangen werden konnten. Er musste seine Leute ab und zu anschnauzen, aber sie mochten ihn gerne, denn er bewahrte stets gute Laune, was immer das Leben auch brachte. In der letzten Zeit aber war selbst ihm die Lust zu scherzen vergangen. Der ältere seiner Söhne war an der russischen Front gefallen, und seine Frau lag krank darnieder. Er alterte zusehends und magerte stark ab, und das Lachen blitzte nur noch selten in seinen Augen auf, durchdrungen von einem unablässigen Schmerz. Das Netz war nun vollends gespannt. Molnár beugte sich zum Wasser hinab, fand einen Pflock und begann, das Netz rasch mit Knoten festzubinden. In der Ferne rief jemand seinen Namen, doch er blickte sich nicht einmal um. Von seinen Händen trieb das Wasser in stillen Ringen weg und flutete träge zwischen den Maschen des Netzes hindurch. Šeman, der ihm am nächsten stand, schrie: „Pavel ruft dich. Du sollst nach Hause kommen!“ Molnár erschrak, bemühte sich aber sogleich, die Angst zu verscheuchen. Das wäre zu viel auf einmal: im Sommer der Sohn und jetzt die Frau. „Wird nichts sein“, sagte er laut, „wahrscheinlich ist der alte Baron gekommen und lädt mich zum Mittagessen ein!“ Šeman lachte laut auf, und Molnár schürzte hastig den letzten Knoten. Dann watete er so schnell er konnte an dem gespannten Netz entlang. „Lass es dir schmecken“, rief ihm Šeman nach. Seine Frau hatte die ganze Nacht vor Schmerzen geweint, aber am Morgen war sie dann ruhig dagelegen - sicher ein gutes Zeichen. Er rollte die Hosenbeine am Ufer rasch hinunter. „Laborecký ist gekommen und hat mich geschickt, dass ich dich hole“, sagte ihm sein Sohn. Er war mager und groß für seine dreizehn Jahre. „Was macht Mama?“, fragte er. „Hat sie geweint?“ „Sie hat gebetet!“

 

(Transit Verlag)

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