Šimon Leitgeb

Betonstrand

2020 | JT's nakladatelství

MOND AM TAG

für Papa

 

einmal im jahr

fahren wir an einen ort

wo wir unter einem rohr schlafen

 

in läuft wind

dem magischer

 

im rohr ist ein loch

 

mein onkel schnitzte einen pflock

der passte genau hinein

 

mit dem wind blasen wir ballons auf

und schießen auf sie

mit brennenden pfeilen

 

wir treffen die ballons

und sie brennen

die nacht sieht aus wie der tag

und der mond

ertrinkt

in goldenen wolken

 


 

MONDVAGABUNDEN

 

mein onkel sagt

dass wir jetzt ganz allein sind

und wir uns wie einsame menschen

verhalten sollten

 

mein onkel ist mein bester freund

ich nicke

und sage

dass wir in der einsamkeit zu zweit sind

 

/

 

die leute nennen uns vagabunden

 

mein onkel sagt

ein vagabund ist ein mensch

der allein ist

 

das gefällt mir so sehr

dass ich mir das wort vagabund

tätowieren lasse

mit edding auf die hand

 

/

 

abends schliefen welche bei unserem caravan

und nannten sich vagabunden

 

ich zeigte ihnen das tatoo

und erzählte

vom mond am tag

 

sie lachten

also ging ich zum onkel

 

er tätowierte mir zum wort vagabund

einen kleinen mond dazu

 

er tätowierte sich das gleiche

und sagte ab jetzt

sind wir ganz allein

 

/

 

mir geht es gut wenn wir allein sind

 

wir sind die mondvagabunden

 

wir fahren zusammen über die erde

und wissen wie man himmel anzündet

 


 

NOMADEN

für Alechandro

 

schau bis hinter die hügel

 

unter uns wogt die wiese

wie das meer

 

adam

ich weiß nicht wo wir sind

 

unten gehen wir durch die straßen wie eingepackte küken und piepsen uns an bei der pforte zum paradies

 

unten sind wir alle kinder

 

wir schauen hinter die hügel

stellen uns vor

dass wir auf ihnen stehen

wir schauen nach unten

 

unsere wege sind karten

 

auf dem weg

sitzen zwei betrunkene nomaden

und unterhalten sich mit etwas

das uns übersteigt

 

frag doch mal

wie weit ist das meer

 

 

Aus dem Tschechischen von Lena Dorn